10 Jahre Engagement für Krebspatienten - Interview

Friseurwelt 8/11

von Siggi Ebenhoch

Vor 10 Jahren wurde der Solidarpakt der Friseure für Krebspatienten gegründet.
Siggi Ebenhoch ist Vorsitzender und Gründungsmitglied. Er gibt einen Einblick in die Arbeit dieses Bündnisses.


Krebspatienten, die durch Chemo- oder Strahlentherapie ihre Haare verlieren, bekommen von der Krankenkasse eine Perücke bezahlt. Doch je nach Versicherung kann das eine ‘Billigperücke’ aus Kunsthaar und in schlechter Verarbeitungsqualität sein oder eine gut sitzende, bequeme Echthaarperücke. Siggi Ebenhoch und einige Kolleginnen und Kollegen wollten das so nicht länger hinnehmen. Eine qualitativ hochwertige und dennoch kostengünstige Zweithaarversorgung für alle Krebspatienten wollten sie erreichen. So bildete sich eine Gruppe aus Top-Friseuren, darunter ehemalige Welt-, Europa- und Deutsche Meister sowie vereidigten Sachverständigen und Zweithaarproduzenten. Der Solidarpakt der Friseure für Krebspatienten (SPFfK) wurde aus der Taufe gehoben.
 ”Für uns war es wichtig, die betroffenen Krebspatienten als Menschen zu sehen, mit ihrem akuten und ihre Seele erdrückenden Haarverlust. Sie dürfen nicht einfach mit aufgesetzter Fertigperücke von einem ‘Perückenverkäufer’ abgespeist werden”, sagt Siggi Ebenhoch.

In zehn Jahren viel erreicht 

Regelmäßig treffen sich die Mitglieder, um ihr Know-how systematisch auszubauen, die Fähigkeiten und den Wissensstand aller Mitglieder auf das maximal erreichbare Niveau zu bringen. Denn nur so kann man den Patien ten zur Seite stehen, ihnen neben der professionellen Zweithaarversorgung mit praktischem Rat helfen. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist die Organisation von Treffen zwischen Patienten und Ärzten. Hier werden die Möglichkeiten der Zweithaarversorgung gezeigt.
”Des Weiteren haben wir die ‘Soliertechnik’ entwickelt und etabliert. Die garantiert eine individuelle Gestaltung jeder einzelnen Perücke entsprechend den Kundenwünschen und ermöglicht dadurch ein individuelles Gesamtbild”, erklärt Siggi Ebenhoch.
Die ‘SPFfK-Leichtperücke’ bietet der Soliertechnik alle Gestaltungsmöglichkeiten und dem Patienten eine Perücke mit guter Qualität hinsichtlich Haar und Trägermaterial.

Maßstab gesetzt 

Der Solidarpakt hat durch sein Engagement und die Professionalität seiner Mitglieder in Deutschland einen Maßstab für qualitativ überzeugende und dennoch kostengünstige Zweithaarversorgung gesetzt.
 ”Um das Niveau zu halten, beobachten wir kontinuierlich den Markt und wählen bei Bedarf die besten Produkte aus”, sagt Ebenhoch, und weiter: ”Daneben arbeiten unsere Mitglieder auch an eigenen Neuentwicklungen. Wir bleiben topaktuell und haben in den nächsten Jahren einiges vor.” So sollen u. a. noch weitere Kompetenz-Zentren entstehen, da noch nicht alle zu besetzenden Gebiete in Deutschland vergeben sind (aussagekräftige Bewerbungen mit Weiterbildungsprofil im Zweithaarbereich können eingereicht werden, Infos: www.spffk.de ).

Da der Solidarpakt zwar anfänglich für die akute Zweithaarversorgung von Chemotherapie-Patienten sorgte, sich aber im Laufe der Zeit auch der Alopeziepatienten annahm, die von hormon- oder erblich bedingtem Haarausfall betroffen sind, hat sich der Name kürzlich geändert: Der SPFfK nennt sich nun ‘Solidarpakt der Friseure für Krebs- und Alopeziepatienten’. Und der Name ist Programm; die Mitglieder haben auch auf dem letztgenannten Gebiet einen hohen Wissensstandard erreicht.

Siggi Ebenhoch hatte und hat auch in Zukunft viel zu tun. Dennoch macht es ihm Spaß, mit vielen Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten. Die herzliche Atmosphäre im Solidarpakt, der offene fachliche Austausch und natürlich die glücklichen Patienten entschädigen ihn für die viele Arbeit als Vorsitzender.
Eines liegt ihm am Herzen: ”Ich bedanke mich bei allen unseren Mitgliedern für die bisher geleistete Arbeit sehr herzlich und wünsche uns allen auch in Zukunft noch viel Freude an der Arbeit und viele schöne Stunden.”

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