Haare berühren die Seele

Friseurwelt 2/04

von Siggi Ebenhoch

Eine fachgerechte Perückenversorgung ist gerade für Krebspatienten äußerst wichtig. Ihre emotionale Belastung ist ohnehin sehr hoch, eine schlecht angepasste Perücke, mit der der Patient sich regelrecht fremd fühlt, kann da noch zusätzlich zu Niedergeschlagenheit, im Extremfall bis zu Depression führen. Der SPFfK (Solidarpakt der Friseure für Krebspatienten) unter der Leitung von Siggi Ebenhoch macht sich für eine angemessene Versorgung dieser Patienten mit Perücken stark - ein mutiges Vorhaben, das bei den Verhandlungspartnern nicht immer auf Gegenliebe stößt. In diesem Artikel gibt Siggi Ebenhoch einen Einblick in seine Erfahrungen.

Jeder Friseur weiß, wie schwer es ist, genau die Frisaur zu erstellen, von der die Kundin wirklich begeistert ist. Schon Kleinigkeiten können die Wunschfrisur vereiteln. Dazu kommt, dass die Kundin den Haarschnitt "seelisch" miterlebt. Haare haben eben eine direkte Verbindung zur Seele, Freude und Entsetzen liegen oft nur haarscharf nebeneinander.

Worauf es ankommt

Das erfolgreiche und zufriedenstellende Arbeiten ist also schon bei normalem Haar schwierig. Bei einer Perücke steigen die Anforderungen um ein Vielfaches, da die natürliche Haarqualität fehlt. Der Haaransatz beginnt ohne weiche Übergänge im Konturverlauf. Zusätzlich haben Kunsthaare oft auch einen sehr unnatürlichen Glanz. Da die Haare auf einer Montur geknüpft sind, haben sie zudem nicht die Bewegungsmöglichkeit wie natürliche Haare.

Bei der Bearbeitung einer Perücke geht es in erster Linie darum, dass die Kundin sich selbst wiedererkennt, wenn sie in den Spiegel schaut.

Wie weit geht eine "angemessene Versorgung"?

Da die Kundinen meist Krebspatienten sind, kommt zu der Diagnose Krebs noch eine riesige emotionale Belastung mit dem Haarausfall durch die Chemotherapie hinzu. Umso wichtiger ist es, dass diese Patienten eine angemessene Versorgung erfahren - eine schlampige oder verantwortungslose Perückenanpassung, die lediglich in der Versorgung mit einer Billigperücke besteht, ist deshalb gegenüber den Betroffenen unverantwortlich.

In diesem Zusammenhang ist es unverständlich, dass einige Lieferanten für Perücken mit dem Verband der Deutschan Angestelltenkrankenkassen (VDAK) Verträge für unter 200 Euro abschließen. Dass diese Verträge nur dazu dienen, dem VDAK juristische "Schützenhilfe" gegen die Krebspatienten zu geben, interessiert diese Firmen nicht.

Das Problem ist, dass Friseure keine Ausbildung für den Perückenbereich haben. Das Geschäft wird einfach "mitgenommen", ohne zu überlegen, was das für die betroffenen Kunden bedeutet. Wie kann es zum Beispiel sein, dass die meisten Friseure und Perückenstudios glauben, dass der Patient sich eine Perücke aussucht, bei der man einfach den Ponny etwas kürzer schneidet und fertig ist der Perückenverkauf?

Auch das Pflegen der Perücke wird oft sogar von Großhändlern falsch beschrieben. Waschen, ausschütteln und trocknen genügt aber nicht. Perückenhaare müssen nach dem Waschan immer wieder neu geformt werden, der Nackenansatz wieder flach "gedampft" und die Haare mit dem Kunsthaarlockenstab erneut "auf Spannung" gebracht werden.
Es liegt auf der Hand, dass derjenige, der keine Perückensolierung beherrscht, auch mit der Perückenpflege Probleme hat. Die Solierung ist eine Bearbeitungstechnik, bei der Kunsthaare so bearbeitet werden, dass sie von echten Haaren fast nicht zu unterscheiden sind und durch die Möglichkeit der gezielten Formgebung genau auf die Wünsche der Patienten eingegangen werden kann.

Jeder, der eine Solierung nicht beherrscht, sollte sich deshalb überlegen, ob er sein Geld auf dem Rücken der Patienten verdienen will. Das hier oft unverantwortlich gehandelt wird, beweisen die vielen Perücken, die ungetragen in den Nachttischschubladen liegen.

Nähere Informationen zu diesem Thema gibt es unter Solidarpakt der Friseure für Krebspatienten

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